Karsten Gloger

 


Karsten Gloger kommt ursprünglich aus Berlin, lebt aber seit mehr als 20 Jahren in Holland und hat seine Werkstatt in Groningen. Ursprünglich war die Flöte sein Instrument. Hier war es schon immer üblich Flötenköpfe aus verschiedenen Materialien zu verwenden und diese den Wünschen des Spielers anzupassen.

Schnell kam Karsten Gloger jedoch zum Saxophon. Hier war es üblich den S-Bogen des Herstellers zu nutzen. S--Bögen in anderen Materialien gab es kaum. Auch das Anpassen des Bogens an den Spieler und seine Wünsche war nur wenig bis überhaupt nicht verbreitet. Karsten Gloger nahm sich diesem "Problem" an und fing an zu experimentieren. Herausgekommen sind die Gloger S-Bögen aus Silber und Kupfer. Die mittlerweile weltweit auf den verschiedensten Saxophonen zu finden sind.

Interview

 

 

 

 

Alle Fragen die hier gestellt wurden stammen von Besuchern der Webseite www.saxwelt.de. Ich möchte Karsten für die ausführliche Beantwortung der Fragen danken.

 


 

Die hier erläuterten Gedanken und Auffassungen sind keine "Wahrheiten", sondern Arbeitshypothesen bzw. Prämissen, mit denen ich gut arbeiten kann. Ein Kollege hat wahrscheinlich unterschiedliche Auffassungen. Dies ist durchaus normal.

Mit freundlichen Grüssen

Karsten Gloger

 


 

Das Interview

 

1. Würdest du einem Anfänger, der bis zu einem Jahr Saxophon spielt, das Experimentieren mit Material (in diesem Fall S-Bögen) empfehlen oder eher dazu raten, später damit anzufangen und wann etwa?

Meiner Auffassung nach sollte der Spieler ersteinmal sein Instrument beherrschen und kennen. Sonst ist er gar nicht in der Lage verschiedene Materialien und Mensuren selbst zu beurteilen. Wie z.B. sollte ich Differenzen in der Intonation beurteilen wenn ich nicht in der Lage bin zu intonieren? Wann anfangen ? Dies hängt doch von den individuellen Fortschritten eines Einzelnen ab.

2. Für welche Zielgruppe sind die S-Bögen hauptsächlich gedacht (Anfänger, Hobbyisten, Amateure, Profis)?

Für diejenigen, die ihr Instrument im Grunde beherrschen und diesem etwas hinzufügen wollen.

3. Welches sind die Wünsche der Kunden (auch die, die ihre Bögen optimieren lassen)?

Meistens Intonationskorrekturen, Änderungen des Anspracheverhaltens, Ausgleichen der Registerfarben und bessere Projektion womit meistens eine höhere Lautstärke gemeint ist.

4. Von welchen Kunden kommen die meisten Wünsche? Hier meine ich einerseits, ob es hier Saxophonisten sind, die Saxophone bestimmter Hersteller spielen und anderseits, ob es Amateure bzw. Profis sind.

Aus allen Richtungen gleichermassen.

5. Was hat den größten Einfluss auf den Klang: die Form, das Material oder die Legierung?

Alle Parameter, ich selbst arbeite nicht mit Legierungen sondern mit selbst hergestellten hochreinen, sauerstofffreien Metallen.

6. Machen Saxophonhersteller grundsätzlich etwas verkehrt ?

Sie wollen alles erneut erfinden obwohl es sehr gute Entwürfe gibt.

 

7. Es gibt einige die Behaupten, dass hauptsächlich die Mensur entscheidend ist, andere sind fest überzeugt, dass das Material ebenso wichtig ist - Silberbögen haben fast immer eine höhere Klangqualität - Jupiter lötet teilweise auf seine Bögen irgendwelche Metallstreifen, wodurch ein höher Blaswiederstand und mehr Lautstärke entsteht, Yanagisawa und andere bietet ihre Bögen in den Unterschiedlichsten Lacken und Oberflächenbearbeitungen an und das nicht nur aus ästhetischen Gründen, und manche sagen sogar, dass selbst Teile an der Mechanik des Bogens noch merklichen Soundeinfluss haben. Inwieweit messen Sie welchen Faktoren welchen Einfluss zu. Was halten sie für wichtig, was für zu vernachlässigen und was würden Sie im Reich des Voodoos sehen?

Ich halte grundsätzlich alle Parameter für wichtig, es ist sehr komplex. Man kann sogar mittels verschiedener Parameter ein und dasselbe Verhalten steuern. Jedenfalls arbeite ich mit dieser Prämisse. Voodoo gibt es bei mir nicht, ich nenne es spirituelle Hilfsmittel oder Arzneimittel, der Eine kommt ohne diese aus, der Andere braucht diese.

8. Der Gedanke seinen Sound durch andere S-Bögen aufzuwerten ist ja noch nicht relativ alt und auch noch nicht so verbreitet. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie, als Sie mit der Bogen Herstellung angefangen haben, Neuland betreten haben. Haben Sie ihr Wissen empirisch erarbeitet oder gibt es feste Regeln, wie was wie wirkt. Oder Haben Sie solche vielleicht inzwischen aufgestellt, oder verlassen Sie sich eher auf Gespür, Instinkt und jahrelange Erfahrung?

Ich selbst komme von der Flöte her. Bei Flötisten ist es schon sehr lange gebräuchlich zusätzliche Kopstücke zu spielen. Also so neu ist die Idee im Prinzip nicht. Auch wollte und hatte ich erst Flötenköpfe gebaut. Neuland nur, dass jetzt das Rohr konisch gestaltet ist. Es gibt die Physik, ausserhalb dieser ich nicht arbeiten kann, dazu kommt die Empirie, die mir hilft mit diesen Gesetzmässigkeiten umzugehen. Einige neue oder besser, unterschätzte Einflüsse, habe ich für mich entdeckt und arbeite mit diesen Voraussetzungen und es funktioniert. Gespür gibt es auch und ist nicht rational zu erklären.

9. Was meinen Sie sind die größten Irrglauben auf diesem Gebiet, oder die größten Wissenslücken unter Saxophonisten ?

Irrglauben weiss ich nicht, Wissenslücken würde ich sagen, die Kenntnisse betreffend der Physik des Instrumentes, die ja hilft vom Instrument mehr zu verstehen und dann letztendlich die Gesetzmässigkeiten für mich arbeiten zu lassen. Wenn ich gerne Segeln möchte und nicht verstehe, den Wind für mich arbeiten zu lassen, werde ich wohl gar nicht oder sehr langsam vorankommen.

10. Wie unterscheidet sich ein Bogen, den sie für einen klassischen Saxophonisten machen zu einem den Sie für einem Saxophonisten aus dem Funk bereich herstellen?

In der Klangfarbe, die anderen Parameter sind von beiden erwünscht.

 

11. Wenn ein Saxophonist zu Ihnen kommt, bei welchen Problemen können sie am besten helfen, oder gar nicht. Intonation, Lautstärke, klingt zu Dünn, gewünschte Soundrichtung und Klangfarbe. Und wie?

Das ist sehr unterschiedlich und hängt vom vorhandenen Instrument bzw. Bogen ab. Wie ? Ist auch unterschiedlich. Es ist wie beim Doktor, ein und dasselbe Symptom kann durch unterschiedliche Ursachen hervorgerufen werden.

12. Was würden sie ändern, wenn sie Einfluss auf die Entwicklung bei den großen Saxfirmen hätten?

Mehr auf die Klangfarben achten.


13. Gibt es Geheimnisse, die sie ins Grab mitnehmen?

Nein, Alles ist dokumentiert !


14. Wie unterscheidet sich ein Bogen, für ein Selmer im Vergleich zu einem Japaner?

Yamaha kopiert im Grunde Selmer Saxophone, baut sie dann aber schlanker, mit kleinerem Ton. Die Intonation ist aber leichter und das Instrument hat einen klareren Ton, weniger nasal. Nasal bezieht sich auf einen bestimmten Frequenzbereich.

15. In wie weit müssen Bogen und Sax harmonieren, was gibt es da für Faktoren. Würde ein S-Bogen der auf einem Horn fantastische Einflüsse hat auf einem andern Horn genauso überzeugen? Vor allem da heutige Saxophone sich doch fast alle ein gemeinsames Vorbild haben. Wie ist es bei Vintage Instrumenten?

Vorbild haben und in der Lage sein das Vorbild zu realisieren sind zweierlei Dinge ! Bogen und Sax müssen bezüglich des Konus (Paraboloid) harmonieren. Ein fantastischer Bogen auf dem einen Horn kann sehr wohl ein Disaster auf einem anderen hervorrufen. Muss aber nicht der Fall sein. Dies gilt für alle Instrumente.

16. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Teure des Materials (vergoldeter Silberbogen) und dem Effekt?

Nicht unbedingt, die Eigenschaften des teuren Materials nehmen nicht proportional auf alle Parameter des Instrumentes Einfluss.

17. Warum nicht mal einen S-Bogen aus Kunststoff. Inzwischen gibt es doch eine Reihe sehr interessanter Materialien?

Das ist richtig, es gibt auch sehr gute Blockflöten aus Plexiglas, will nur Niemand haben !!! Und Flöten aus Kohlenstoff usw.

18. Was kostet ein angepasster Bogen so im Schnitt, wieviel ist davon Material, und wie lange brauchst du für einen S-Bogen. Wer sind deine prominentesten Kunden?

Die Preise stehen auf meiner Webseite oder auch auf www.shop.saxwelt.de. Die Materialkosten betragen momentan bei Silber ungefähr ein Drittel bei meiner Fertigungsart. Kupfer etwas weniger. Man braucht ja nur die täglichen Rohstoffpreise an der Börse zu folgen. Steigend !!!Die Arbeitszeit für einen Bogen beträgt je nach Ausführung ca. 3 Tage. Dazu kommen 4 Tage für den Verdichtungsprozess. Kundennamen werden auf Wunsch der Kunden nicht genannt. Ausserdem, was würde dies ändern? Man hat Vertrauen oder eben nicht .


19. Gibt es die Möglichkeit, einen Bogen mit Feinstimmschraube wie bei den alten Conns z.B. herzustellen, der auf ein heutiges normales Sax passt, z.B. ein modernes Keilwerth?

Technisch, schon.

 

20. Kon u Mensur technisch verklaren? (Übersetzung: Kannst du uns die Mensur erklären?)

Für die musikalische Anwendbarkeit ist dies ein spezieller Fall einer mathematisch vorgeschriebenen exponentiellen Abhängigkeit zwischen Innenquerschnitt und Länge. Die sogenannte Besselfunktion. Davon ist die eine konisch x = 2, die andere zylindrisch x = 0. Also das Verhältniss zwischen Länge und Durchmesser. Andere Funktionen sind nicht anwendbar.Dies auch als Antwort zu allen Fragen inwieweit das sogenannte "customizen" getrieben werden kann. Eben bis diese Funktion nicht mehr erfüllt wird !


21. Du bietest verschiedene Modelle an, wie unterscheiden sie sich vom angestrebten Klangkonzept? Welche Auswirkungen haben die unterschiedlichen Finishes auf den sound?

Die Modelle beziehen sich auf die verschiedenen Marken und dem Material Kupfer bzw. Silber. Der vornehmliche Unterschied zwischen Kupfer und Silber liegt in der höheren Stabilität bei höheren Lautstärken beim Silber. Dieser "verzerrt" geringer. Das heisst, klingt schlanker im fff. Der kupferne geht in die Breite. Ist also auch Geschmackssache.Unter Finish verstehe ich die reine Oberflächenbehandlung. Hier hat meinen Wahrnehmungen zufolge nur das Härten der Oberfäche einen gewissen Einfluss. Silber klingt auch etwas heller.

22. Gibt es Saxe die du nicht verbessern kannst?

Verbessern tue ich sowieso nicht, sondern ich verändere.


23. Was ist "das Geheimnis"? Liegt es ausschließlich am MATERIAL?

Nein, siehe oben


24. Bist Du ein 1Mann-Betrieb?

Ja.


25. Baust Du "auf Vorrat"? Mit welchen "Lieferzeiten" ist zu rechnen?

Nein, ich baue nicht auf Vorrat. Sonst müsste ich 24 Stunden am Tag arbeiten. Dazu habe ich keine Lust und will auch gesund bleiben.Die Lieferzeiten betragen ca. 2 Monate oder etwas länger, je nach bestellter Stückzahl.

 

26. Mich würde mal interessieren, welche Saxe Karsten Gloger mit seinen Bögen ausrüsten würde. Wo lohnt es sich, wo eher nicht? Macht es Sinn, z.B. ein Selmer Ref 54 Tenor damit zu versehen?

Ich rüste alles aus, kein Problem. Es lohnt sich immer, wenn der Spieler für sich selbst einen Fortschritt konstatiert. Ist wie mit den Arzneimitteln ! Es wurden bereits einige Ref 54 Tenöre umgerüstet .

27. Sind die S-Bögen auf Mundstücke abzustimmen bzw. macht er das gezielt nur auf die Instrumente? (Stichwort Einheit)
 
Der Bogen muss zum Instrument passen, das Mundstück ebenfalls. In engen Grenzen kann dem Mundstück Rechnung getragen werden.


28. Was hält er von konifizieren des oberen Rohrendes, um den Strömungswiderstand zu reduzieren?

 

Diese Frage verstehe ich nicht ganz. Das ganze Instrument ist ein Konus und bei guten Instrumenten ist der obere Teil ein Paraboloid.

29. Ist es richtig, dass ein "individueller" S-Bogen auf SAX, MPC, Blatt(?) UND Spieler abgestimmt sein muss?

Eher andersherum, würde ich meinen. wie oben erwähnt kann sich auch der Spieler nicht den physikalischen Gesetzmässigkeiten entziehen.

30. Hans baut "individuelle" MPC. Was ist zuerst dran, wenn ich "mein" Sax gefunden habe? Erst das MPC oder erst den S-Bogen?

Zuerst Hans.

31. Haben sie vielleicht noch größere Projekte im Hinterkopf, wird es ein irgendwann mal ein GlogerSaxophon geben. Und mal rein hypothetisch, worin würde es sich vom Rest unterscheiden.
 

Ein Sopransax ist im Bau. Und auch schon getestet. Die Eigenschaften sind die der Bögen. Schnellere Einschwingzeiten (Attack), prägnanter Kern, ausgeglichnere Intonation, grosser stabiler Dynamikbereich.


32. Das mit dem "konifizieren" würde mich auch brennend interessieren. Es gibt ja den "Tuning-Tipp" selbst mit der Feile mal ranzugehen. (Sofern man einen Billigbogen hat, könnte man das ja mal Probieren) . Jetzt kam in einem anderem Thread die Frage nach diesen komischen Innenrillen auf....
Was hält Herr Gloger von solchen Sperenzien?
 

Das Experimentieren rate ich jedem an, auf einem Billigteil. Dann kommt jeder schnell dahinter wie viel Arbeit dahinter steckt - und - , dass die Einsicht zunimmt. Kann nie schaden ! Nach den Strömungsgesetzen haben die Rillen keinen Einfluss auf das Verhalten. Eine Arznei ? Ich lerne noch stets!


33. Wie funktioniert ein Saxophon S-Bogen?
Welche Parameter wirken sich, in Bezug auf die Akustischengesetzmäßigkeiten, wie auf den Klang und die Dynamik aus? Begriffe wie: Mensur; Konus; Krümmungsradien; Resonanz; Dämpfung; aerodynamische Luftführung und Blaswiederstand? Resultiert daraus es eine Landkarte in welcher Region sich welche Töne befinden und wie sieht sie aus? Und zu guter letzt, braucht ein guter Bogen überhaupt noch eine Oktavklappe oder gehts mit ihm allein über wie viele Oktaven?

Ich möchte nicht unhöflich sein, aber zur Funktion und Arbeitsweise gibt es sehr gute Literatur und Internetseiten, die ich gerne mitteile. Dies ist in diesem Rahmen nicht zu erläutern. Vieles wurde oben erwähnt. Die Landkarten gibt es: siehe „The Saxophone is my voice“ von Ernest Ferron. Die Oktavklappe hat mit dem Bogen nichts zu tun. Die Oktavklappen teilen das ganze Rohr. Zufällig liegt eben die Teilung auf dem Bogen.

34. Woran liegt es, dass verschiedene Bögen auf einem Instrument so unterschiedlich intonieren? Oder positiv gewendet: Kann man einen Bogen so personalisieren, dass es keine Intonationsprobleme mehr gibt?
 

Verschiedene Bögen haben verschiedene Mensuren, grob gesagt. Es gibt auch andere Faktoren . Siehe oben . Personalisieren kann man nur innerhalb der physikalischen Gesetze !!!

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 15. Juli 2012 12:03

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