Saxwelt testet

Aizen Saxophone.

Auf der Musikmesse Frankfurt im März 2012 haben wir die Aizensaxophone gefunden. Hinter der Marke Aizen steht die japanische Firma Projection Co. Ltd.. Bisher sind in Deutschland nur die Aizenmundstücke zu finden, die aber nicht Gegenstand dieses Testes sind. Unter Mitwirkung von Ralf Frohnhöfer und Herrn Dallhammer haben wir je ein Alto- und ein Tenorsaxophon der aktuellen Serie zum Test erhalten.

Es handelt sich dabei um die Standardausführung mit Goldlackfinish.

Die Instrumente wurden zunächst von Torsten Köhler, seines Zeichens Holzblasinstrumentenmachermeister und Inhaber des Holzblasinstrumenten-Studio ToKo in Pinneberg, getestet. Dabei wurde ein großes Augenmerk auf die Verarbeitungsqualität der Saxophone gelegt. Aber auch das Anspielverhalten wurde hier getestet. Für den Test der Saxophone im Einsatz haben wir uns dann auf weitere Profis verlassen, die beide Saxophone einem ausführlichen Spieltest unterzogen.

Zunächst jedoch möchten wir auf die handwerkliche Qualität eingehen.

Beide Instrumente liegen durch die gute ergonomische Bauweise sehr angenehm in der Hand. Daumenplatte und Daumenhaken sind aus Messing und nicht aus Kunststoff, was ebenfalls für einen besseren Sound und Ansprache sorgt. Die gut gewählte Wandungsstärke lässt die Mechanik sehr stabil werden und sorgt so ebenfalls für eine gute Haltbarkeit und ist ein Zeichen von sehr guter Qualität. Der Lack ist überall sehr gut gearbeitet und es sind an beiden Instrumenten keine schlechten Lötstellen zu erkennen. Auch hier wurde der Lack überall sehr gut und sauber nachgearbeitet. Das Polstermaterial ist von ausgezeichneter Qualität, so dass hier von einer langen Haltbarkeit auszugehen ist. Wie lange, wird sich natürlich erst im Dauereinsatz des Instrumentes zeigen können. Der Klappenschutz des Seiten- Fis ist bei beiden Instrumenten abschraubbar und sorgt so für einen leichteren Zugang, im Fall des Falles. Die Verarbeitung der Röhrchenenden der Mechaniken ist sehr genau vorgenommen worden. Sie sind absolut plan und passgenau gearbeitet. Auch die aus Blaustahl bestehenden Spitzfedern sind exakt in die Federführungen eingearbeitet, was leider nicht bei allen Herstellern so ist.

Als besonderes Schmankerl bieten die Aizensaxophone neben der sehr aufwendigen und für unseren Geschmack äußerst gelungenen Gravur, Boostrillen im S-Bogen. Dieses Highlight kennen wir von früheren Selmersaxophonen. Sie sollen die Ansprache des Instrumentes verbessern und ihm mehr Kraft geben. Leider sind diese etwas scharfkantig. Womit wir zu den, wenn auch raren, Schattenseiten der Aizensaxophone kommen.

Bei beiden Instrumenten hat die Oktavmechanik keine Schlitze, die für ein leichtes Anpassen und Entfernen von totem Spiel vorteilhaft wären. Bei beiden Saxophonen sind die Stellschraubenunterseiten lediglich mit Gummischonern versehen und nicht mit Kork. Letzteres würde für noch leisere Nebengeräusche sorgen. Dies gilt auch bei dem für das Tenor verwendeten groben Kork unter dem Gis-Drücker der rechten Hand. Hier wäre etwas hochwertigerer Kork besser gewesen. Zudem sitzt der Gis-Drücker beim Tenor nicht ganz zentriert über tief H und Cis. Beim Alto ist der Tonlochkamin von Tief-Cis nicht absolut plan.

Gesamteindruck:

Der Gesamteindruck des Instrumentes ist für uns absolut überzeugend und auch der Anspieltest hat uns sehr beeindruckt. Das Instrument gibt optisch einiges her, es wurde handwerklich penibel gearbeitet und auch das Finish spricht von Qualität.

Es sind die Feinheiten, auf die geachtet wurden, die uns überzeugten und im Endeffekt und genauso wichtig auch der Sound, der sich für uns von qualitativen vergleichbaren Instrumenten deutlich abhebt.

Der unebene Tonlochkamin von Tief-Cis ist etwas schade, aber hier glauben wir nicht an ein Serienproblem. Beim Begutachten der Instrumente auf der Musikmesse Frankfurt 2012 waren alle Kamine sehr plan, worauf wir immer ein besonderes Augenmerk warfen.

Die Boostrillen im S-Bogen sind interessant, hier wäre ein Vergleich mit einem normalen S-Bogen noch interessant. Im Vergleich zu anderen Herstellern steht die Qualität der Aizen Saxophone in nichts nach.

 

Spielbericht:

Für den Spielbericht haben wir uns zweier absoluter Saxophonprofis bedient. Roy Frank und Paulo Pereira.

Roy Frank spielte schon auf den bedeutendsten Bühnen, sowie in den kleinsten Kirchen und Clubs der Welt, wie z.B. der Berliner Waldbühne, der St. Marien-Kirche in Nübel (Norddeutschland) oder der New Yorker Carnegie Hall. Dort entstand 2007 eine Live-CD des Palastorchesters, an deren Produktion er maßgeblich beteiligt war. Die Tätigkeit in diesem Ensemble führte ihn u.a. in Länder wie Frankreich, Österreich, Schweiz, Polen, Griechenland, Norwegen, Japan, USA, Russland oder China. Er spielte sein Saxophon sogar auf der Chinesischen Mauer und gab bei der Eröffnung der Wiener Festwochen vor ca. 50.000 Zuschauern den Standard „As Time Goes By“ zum Besten. Die Reisen mit anderen Ensembles fanden nach Israel, Slowenien, Spanien und Italien statt. An Konzerten mit bekannten Musikern wie der Saxophonlegende Herb Geller war er als Band-Leader und Solist beteiligt. Als Saxophonist spielte er u.a. auf dem Bundespresseball oder dem Wiener Opernball und war schon in zahlreichen bekannten Fernsehsendungen zu sehen. Mit Max Raabe spielte er auf der Hochzeit von Marilyn Manson, ließ sich kürzlich für die amerikanische Ausgabe der Vogue von Starfotografin Annie Leibovitz ablichten und wurde in Filmen und DVDs von Werner Herzog oder Michael Ballhaus in Szene gesetzt. Eine spezielle Leidenschaft gilt dem Komponieren und Arrangieren für diverse Besetzungen wie Saxophonquartett, Combo oder Big Band. Das Roy Frank Orchestra spielt selbstverständlich auch Originale seines Band-Leaders.

Hier die aktuellen Tourdaten

 

Paulo Pereira * 31.07.1967 in Emden, portugiesischer Abstammung. Sopran-, Alt-,Tenor-, Baritonsax, Flöte, Klarinette, Piano, Drums.1995-Staatsexamen in den Fächern Germanistik, Musikwissenschaft und Musikpädagogik in Oldenburg. Paulo studierte 1997 mit Stipendium am Berklee College of Music/Boston Saxophon, Arrangement und Komposition. Unterricht und Workshops u.a. bei Jerry Bergonzi, Dino Govoni, Walter Beasley, Dave Liebman, Charlie Mariano, Thomas Frank, Greg Bardolato, Victor Mendoza, Dave Hollander. Er absolvierte das Staatsexamen in Musik und Germanistik in Oldenburg und studierte 1997 als Stipendiatsträger am Berklee College of Music/Boston Saxophon, Arrangement und Komposition. Unterricht u.a. bei Jerry Bergonzi, Dino Govoni, Walter Beasley, Dave Liebman, Charlie Mariano. Von1992 bis 2005 war er Mitglied der Musicalband des Staatstheater online casino Oldenburg und Gast des Staatsorchester Oldenburg und seit 1992 Dozent an der Musikschule der Stadt Oldenburg für Saxophon, Jazztheorie, Improvisation und Leiter der Big Band Windstärke 12. Seit 2001 lebt Paulo Pereira in Hamburg als Saxophonist und Arrangeur, u.a. bei Soulounge feat. Roger Cicero und Lamont Dozier, Filmorchester Babelsberg. Er spielte u.a. Konzerte auf dem Jazzfestival Archangelsk (1989),Montreux Jazzfest (2003), Jazzfest Aalen (2004,2005). 2002 gründete er ein Duo mit dem Pianisten Joe Dinkelbach (CD Easy Does It, DJM 006) und 2006 das Paulo Pereira Quintett mit Musik aus eigener Feder (CD Nobresa Silenciosa, DJM 010). Autor von „Jazz at Work“, 14 Solostücke für alle Saxophone mit Playalong-CD (erschien im April 2012 bei Chili Notes )

Also zwei wirkliche Spezialisten auf ihrem Gebiet. So unterschiedlich diese beiden auch sind, so ähnlich fiel dann doch der Testbericht im Endergebnis aus, den beide unabhängig voneinander für uns machten. Beide testeten das Alto- und das Tenorsaxophon von Aizen sehr ausgiebig nach einem klaren Punktesystem. Wobei 1 sehr schlecht und 10 sehr gut entspricht.

In diesem Punktesystem schnitten die Aizensaxophone im Mittel sehr gut ab.

Die Intonation erhielt dabei eine 8, wobei Paulo das d2 des Tenors als sehr hoch empfand und hierfür einen Punkt abzog und mit einer 7 bewertete. Roy bemerkte etwas zu hohe Stimmung in den Palmkeys und bei Tief H und B für Alto und Tenor.

Die Applikatur dagegen stieß auf eine geteilte Meinung. Während Roy Frank das Tenor mit der vollen Punktzahl versah, kam das Tenor bei Paulo nicht so gut an und bekam nur eine 6. Beim Alto waren sich beide einig und verteilten jeweils 8 Punkte.

Bei der Ansprache war man sich wieder einig und bescheinigte den Aizensaxophonen mit sehr guten 8 Punkten eine sehr gute Ansprache, wobei Roy dem Tenor mit sage und schreibe 10 Punkten gar eine perfekte Ansprache bescheinigte.

Gleiches gilt für die Homogenität der Instrumente. Diese bezeichnet Roy Frank als nahezu perfekt während Paulo Pereira dem Alto mit 8 und dem Tenor mit 7 Punkten jeweils noch etwas Spielraum nach oben bescheinigte.

Wir ließen die beiden auch die Oktavsprünge und Flageoletts testen. Bei letzteren waren sich beide nahezu einig und bestätigten das bisher durchweg gute Ergebnis auch hier. Mit 8 Punkten können diese als sehr gut bezeichnet werden. Bei den Oktavsprüngen gibt Roy Frank dem Alto 8 und dem Tenor sogar 10 Punkte. Paulo Pereira bewertet diese für das Alto mit 9 und das Tenor mit 8 Punkten. Ebenfalls ein sehr gutes Ergebnis, was die Qualität der Saxophone unterstreicht und sicher auf die sehr gute handwerkliche Ausführung zurückzuführen ist.

 

Zusammenfassung:

Roy Frank war von den Aizensaxophonen überrascht begeistert und bestätigt dem Aizenalto eine überraschende klangliche Nähe zu seinem Selmer SBA. Er bezeichnete den Klang als sehr gut. Genauer nachgefragt empfand er diesen als zwar sehr modern aber nicht so extrem wie dies heutige Saxophone im Allgemeinen sind. Der Unterschied zwischen seinem Conn Ladyface Tenor und dem Aizentenor ist dagegen größer. Einzusetzen seien die Saxophone für nahezu jede Musikrichtung.

Paulo Periera bescheinigte dem Alto von Aizen eine leicht bessere Note als dem Tenor und schilderte die Klangfarbe als relativ dunkel ohne viel Brillianz „es singt nicht“ , wobei auch im hohen Register ein voller und runder Sound vorherrscht und die Subtones schön samtig sind. „Ein gutes Sectioninstrument, da die Ansprache und Intonation sehr gut ist“ . Zudem lobt er die gute Ansprache der tiefen Töne. Als Soloinstrument hat es ihm jedoch zu wenig Charakter. Dies gilt auch für das Tenor von Aizen, dem er ein dunkles Timbre entlocken konnte. Ihm war das Tenor zu „mittig“ und hat in den Obertönen zu wenig Brillianz. Hier fiel ihm störend die Lage der Gis-Klappe auf, die beim Greifen von Tief Bb behindert (Ringfinger stößt dagegen).

Fazit:

Mit den Aizensaxophonen bekommt man ein qualitativ hochwertiges Saxophon, was auch noch toll aussieht. Es wurde auf Qualität geachtet und auf die Optik. Dabei hat man ein Saxophon hinbekommen, dass wirklich was her macht. Bis auf die Boostrillen, den Resonatoren (LeMonde = Metall, Aizen = Kunststoff) und der Gravur sind die Aizensaxophone baugleich mit den doch deutlich günstigeren LeMonde Saxophonen. Wer die Qualität der LeMonde Saxophone mit einer tollen Gravur und den Boostrillen sucht, ist bei den Aizensaxophonen absolut an der richtigen Adresse. Ob der Aufpreis dafür lohnt, muss jeder selbst entscheiden. Letztlich bescheinigen unsere Tester den Aizensaxophon einen guten Klang und fühlten sich auf den Instrument wohl. Das perfekte Saxophon sind die Aizen’s sicher nicht. Qualität und Klang kann aber gut mit anderen Marken mithalten. Wie unser Spielbericht zeigt, gilt, wie bei allen anderen Marken auch, anspielen und testen ob das Aizen denn auch zu einem passt.

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 14. Januar 2016 19:04

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